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Wer denkt Norddeutschland ist flach, der wird am Anfang der Tour eines Besseren belehrt. Jede Autobahnüberquerung, Bahnüberquerung und Osterholz-Scharmbeck selber führt zu Anstiegen, die zwar nicht besonders schwierig sind, aber doch in die Beine gehen, wenn man nicht damit rechnet.

Bis kurz hinter Osterholz-Scharmbeck ist die Routenführung eher langweilig. Der übliche Radweg neben den Landstraßen. Bemerkenswert ist, dass die Radfahrer besonders schützenswert sind und bei jeder sich bietenden Gelegenheit dazu aufgefordert werden abzusteigen und ihr Fahrrad zu schieben. Sicher zu ihrer eigenen Sicherheit. Wir stürzten uns todesmutig in Querungen von Autobahnauffahrten und Bundesstraßenzubringer und radelten weiter.

Ungefederte Räder dürfen in der Gegend nicht auf Radwegen verwendet werden. Wer trotzdem dort fährt ist selber schuld. An vielen Stellen wichen wir einfach auf die Straßen aus, weil der Radweg einfach nicht als solcher akzeptabel war.

In Richtung Worpswede fahrend öffnete sich dann der Blick aufs Teufelsmoor. Wir kamen aus dem Schauen nicht mehr heraus. Die Wolken hingen tief und gaben einen Eindruck, wie die Landschaft im Herbst und Winter wirkt und öffnet den Blick für die Bilder von Paula Moderson, Vogler und vielen anderen Künstlern.

Wir haben einen Tag mit wenig Wind erwischt und kamen gut voran. Nach etwa 50 km trafen wir dann in Fischerhude ein. Da strafte uns die Straße für das Gemecker über die Radwege. Im Schrittempo über das Pflaster (mehr hätte der Hintern nicht mitgemacht) ging es zum Puppencafe, das uns bereits von einem anderen Urlaub bekannt war. Das Essen ist dort vorzüglich und die Buchweizentorte einfach ein Gedicht. Wer genügend Zeit hat, der sollte Mittags ankommen, das Essen genießen, die Fahrräder stehen lassen und eine schöne Runde durchs Dorf drehen und sich dann noch Tee oder Kaffee und Kuchen gönnen. Wer sich nicht entscheiden kann, der darf auch zwei halbe Stücke bestellen.

Wir haben uns nicht die Zeit für den Kuchen genommen, sondern wollten weiter nach Ritterhude und dort ein Eis essen. Trotz der Wettervorhersage wurden wir nicht nass. Kurz vor Ritterhude war die Straße gesperrt und Fahrradfahrer wurde ein weiter Umweg 
angeboten. Wir stürzten uns in den Autoverkehr und ernteten einige Hupkonzerte. Karin versinkt dann immer in ihrem Sitz. Wir kamen bald wieder auf einen fahrbaren Weg und kurz nach Erreichen des Eiscafes fing es das tröpfeln an. Da haben wir Glück gehabt.

Nach der Pause ging es, wegen der Baustelle, über eine Alternativstrecke nach Burg Lesum und von dort weiter nach Vegesack. Nebenstraßen, die verkehrstechnisch ruhig waren, aber mit grobem Kopfsteinpflaster angelegt, so dass wir uns des öfteren eine Federung gewünscht hätten. Weil wir so langsam voran kamen, holte uns der Regen dann auch wieder ein. Gut durchnässt kamen wir auf einem hübschen kleinen Weg nach Vegesack. Der war annehmbar und schön glatt asphaltiert. Ab da trockneten wir dann so langsam wieder.

Am Vorabend waren wir auf dem Fest Maritim, das sich der Strandpromenade entlang zog. Nur noch ein paar Bühnenabbauer wiesen auf das Fest hin. Die Buden, die wir noch am Abend besucht hatten, waren komplett verschwunden. Am Schulschiff Deutschland, das auch Bett und Bike - Betrieb ist, führte der Weg über Nebenstraßen aus Vegesack hinaus und über Blumenthal nach Farge. Kurz nach dem Stadtrand von Bremen beginnt Neuenkirchen und wir schlossen unsere Tour über 99 km mit einer schönen Dusche ab.

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